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Peter Pitsch: Das Kuckucksei-Syndrom
Das Kuckucksei-Syndrom

Autor: Peter Pitsch
Genre: Roman/Satire
Erscheinungsjahr: Dezember 2008
Gestaltung: Taschenbuch, 142 Seiten
Format: 12 x 18 cm
ISBN: 978-3-939948-12-4
Preis: 9,95€

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Über das Buch:

Oberfeldwebel a.D. Hannes Bürstensteif könnte mit seinem Leben eigentlich zufrieden sein. Disziplin und Charakterstärke haben sein Dasein bestimmt, und wenngleich ihm diese Zweckdienlichkeit nicht gerade eine Quelle der Freude erschlossen hat, so schuf er sich damit seine eigene kleine Welt, die in geregelten und überschaubaren Bahnen ablief. Mit einem harmlosen Maulwurfshaufen beginnt es: Seine heile Welt bekommt die ersten Risse, der suspekte Nachbar mischt sich laufend ein, und die profunde Angst vor Mutter Bürstensteif, die ihn weiterhin gnadenlos bevormundet, entzieht seiner Hoffnung auf Liebe jede Grundlage.

Als Mutter plötzlich entführt wird, fängt Bürstensteif an, sein Dasein in Frage zu stellen und deckt ein Geheimnis auf. das sein Leben für immer verändern wird.

Sprachlich virtuos und mit galligem Humor wird die Fassade eines Biedermanns auseinander genommen.

Über den Autor:

Peter Pitsch, 1963 in Herford geboren, zieht nach dem Realschulabschluss, einer unvollendeten Lehre und diversen Tätigkeiten nach Westberlin. Ende ´82 begibt er sich in die Niederlande, jobbt für eine Amsterdamer Modelagentur, gerät in den Sumpf der Drogenszene und wird schließlich wegen Drogenschmuggels inhaftiert. Aus dem Gefängnis entlassen, zunächst wohnhaft in Bielefeld, findet er Arbeit in einer Schlosserei und beginnt nebenbei Gedichte und Kurzgeschichten zu verfassen. Mitte der Achtziger lässt er sich gemeinsam mit seiner italienischen Freundin in Rom nieder und sammelt unterschiedliche Erfahrungen als Film- und Theaterschauspieler. Eine Vielzahl beruflicher Reisen - u. a. eine ausgedehnte Theatertournee - führen ihn in alle Gegenden des italienischen Festlandes sowie auf die Inseln Sizilien und Sardinien. 1989 lernt er seine spätere Frau kennen, zieht mit der gebürtigen Dänin nach Skandinavien und verbringt die Neunziger Jahre in Kopenhagen, wo seine Aufmerksamkeit vorwiegend der Schriftstellerei gilt. Unter widrigen Umständen erscheint ´93 sein Lyrikband ´Über der Welt´. Zwei Jahre später veröffentlicht der Verlag für Gegenrealismus unter dem Titel ´Der Abtrünnige´ eine 33teilige Parabel, deren Vertrieb mit dem Tod des Verlegers Günther Dienelt eingestellt wird. Es folgt eine weitere Publikation in Form eines Kinderbuches, des Weiteren Gedichte und Kurzgeschichten, die in verschiedenen Zeitschriften und Anthologien erscheinen. Nach der Jahrtausendwende wohnt er in der Stadt Nykøbing auf der Insel Falster, widmet sich seither neben der literarischen Arbeit der Renovation alter Häuser. 2008 gibt der deutsche Verlag Tordenfjord seine satirische Erzählung ´Das Kuckucksei-Syndrom´ heraus. Wenig später publiziert der Verlag Wortgewaltig seinen modernen Gedichtband ´Übelungen´, in dem er die Summe der bisherigen Eindrücke und Erfahrungen aus seinem Leben Revue passieren lässt.

Weiter Informationen finden Sie auch auf der Webseite des Autors: www.peter-pitsch-schriftsteller.com

Leseprobe:

In diesem Moment erwachte Bürstensteif vollends aus dem Schlaf der Ermattung, und die eindringliche Stimme, die er vernahm, nährte seine Not mit neuem Entsetzen. „ICH BIN´S, DEINE MUTTER! MACH SOFORT DIE TÜR AUF, HANNES! WO STECKST DU DENN!?“
Um Himmels Willen ... Mutter! Robust, unnachgiebig, 91jährig, und die Hüterin der höchsten Moral! War Bürstensteif selbst schon die Korrektheit in Person, so war er doch gegen seine Mutter diesbezüglich ein blutiger Anfänger.
Im Eifer des Gefechts hatte er komplett verschwitzt, welcher Tag heute war, nämlich ein Sonntag, grau und trist, und an jedem Sonntagnachmittag kam Hildegard Bürstensteif zu Besuch, auf dass sie etwaige Unregelmäßigkeiten aufdecken und Kritik an ihm üben konnte.
„AUFMACHEN, HABE ICH GESAGT!“
„Ja doch, Mutti, ich komme ja schon, beruhige dich.“
„MICH BERUHIGEN!? ICH STEHE HIER SEIT GESCHLAGENEN FÜNFZEHN MINUTEN VOR DEINER BLÖDEN BRETTERTÜR UND KLOPFE MIR DEN STOCK ENTZWEI! WAS TREIBST DU DA DRINNEN!? HAAANNNEEES ...!?“ „Öhm ... nichts Mutti, bin ja schon da.“ Er gelangte zur Wohnungstür und öffnete der grollenden Mumie, aus deren Augenhöhlen vernichtende Blitze züngelten.
„Bist du etwa nicht ... allein?“, fragte sie mit bohrender Stimme. „Hast du etwa ein Frauenzimmer bei dir?“
„Aber nein, Mutti. Wo denkst du denn hin?!“
„Dann möchte ich mal wissen, weshalb du nicht sogleich öffnest, oder möchtest du deine ARME ALTE KRANKE Mutter nicht mal mehr in dein Haus lassen?!“
Mama Bürstensteif schob ihren Sprössling mit dem Spazierstock beiseite und ging schnaubend über den Flur, wobei sie misstrauische Blicke in Wohn- und Schlafzimmer warf.
„Ich ... ich habe einen Mittagsschlaf gehalten“, gestand Bürstensteif kleinlaut. „Was?! Einen MITTAGSSCHLAF!?“, herrschte sie ihn an. „Wer faulenzt, der kann es im Leben zu nichts bringen. Wie oft muss ich Dir das eigentlich noch sagen?? Soll ich es dir lieber aufschreiben?“
„Nein, Muttilein.“
„Ach ... soll ich nicht, wie? Und wieso liegst du am helllichten Tag auf der faulen Haut, kannst du mir das mal verraten!?“
Der Sohn schaute beklommen auf seine Pantoffeln, niedergedrückt von dem Gewicht ihrer unerbittlichen Präsenz.
Sie schüttelte resignierend den Kopf. „Weißt du überhaupt, was heute für ein Tag ist?“ Ihr knitteriges Gesicht wurde noch knitteriger. „Ich wette, das hast du ebenfalls verschlafen.“
„Öhm ... Sonntag ...?“, versuchte es Hannes, noch außerstande zu begreifen. „Sonntag! Natürlich ist heute SONNTAG! Hältst du mich schon für so verkalkt, dass ich nicht wüsste, dass heute Sonntag ist?“ Sie sah ihn voller Strenge und Missgunst an. „Heute ist Muttertag, Hannes! MUTTERTAG!“ Ihre Stimme schlug mit einem Male um, gerade noch voller Befehlsgewalt, glich sie jetzt eher der Stimme einer gebrochenen, hinwelkenden Dame, der man gerade das Liebste, was sie je besaß, brutal entrissen hatte. „Und du hast nicht daran gedacht.“
Um Himmels Willen, auch das noch! Muttertag, schoss es Bürstensteif durch den Kopf, Muttertag, der schlimmste Tag des Jahres!
„Ich bedaure aufrichtig, Muttilein“, katzbuckelte er. „Ich verstehe selbst nicht, was momentan in mich gefahren ist.“
„Das glaube ich gern.“ Eine gewichtige Pause entstand, ehe die Alte pampig fortfuhr: „Schon von weitem habe ich mich gefragt, warum die Muttertags-Flagge nicht hoch droben am Fahnenmast weht. Richtig traurig bin ich geworden. Ich verstehe das einfach nicht ... ich habe mein Leben für dich aufgeopfert - was habe ich nicht alles für dich getan! Meine besten Jahre habe ich dir geschenkt, dich unter größten Schmerzen auf die Welt gebracht, dich genährt an meinem Busen und gepflegt, wenn eine Erkältung dich niederstreckte. Alles, wirklich alles habe ich für dich getan, ich war die beste Mutter, die sich ein Knabe wie du überhaupt wünschen konnte. O ja ...“ Sie tat einen schweren Seufzer, untröstlich wie erbittert. „Und wie dankt er es mir? ER VERGISST DIE FLAGGE ZU HISSEN!!!“